Rückblick auf die Ausstellung
Joseph Faßbender "Verwandlungen"


Plakat zur Ausstellung
Abbildung: Plakat zur Ausstellung


Joseph Faßbender
Joseph Faßbender "Puppenbild", Öl auf Leinwand, 1948


Joseph Faßbender "Verwandlungen"
30. April - 12. Juni 2005


Einführung zu der Ausstellung Joseph Faßbender "Verwandlungen"

In Zusammenarbeit mit dem Rheinischen Landesmuseum in Bonn und dem von Barbara Piert-Borgers und Walter Borgers betreuten Nachlass hat die Landeseinrichtung "Kunst aus Nordrhein-Westfalen" eine Ausstellung mit Werken von Joseph Faßbender (1903-1974) organisiert, die vom 9.12.2004 - 20.2.2005 im Landesmuseum zu sehen war und am 30.4. 2005 in der ehemaligen Reichsabtei Aachen-Kornelimünster eröffnet wird. Das facettenreiche Werk eines der großen rheinischen Künstler der Nachkriegszeit wird unter dem Titel "Verwandlungen" gezeigt, begleitet wird die Ausstellung von einem reich illustrierten Katalog zum Preis von 20,- Euro.

Mit dieser Präsentation kann in Kornelimünster eine Reihe fortgesetzt werden, die den großen alten Malern "der ersten Stunde" des Landes Nordrhein-Westfalen gewidmet ist und schon Werke von K.O. Götz, Karl Fred Dahmen, Peter Brüning, Winfred Gaul, Gerhard Hoehme und Hann Trier gezeigt hat.

Alle diese Künstler sind in der frühen Nachkriegszeit vom damaligen Kultusministerium durch Ankäufe von Werken unterstützt und gefördert worden.

Auf diese Weise gelangten auch die drei Bilder von Joseph Faßbender in den Besitz des Landes, die in der Ausstellung zu sehen sein werden, darunter das "Puppenbild" von 1948. Darüber hinaus hat Josef Fassbender viele öffentliche Aufträge von Kommunen, Einrichtungen und auch von der Landesregierung erhalten.

Die beiden Wandteppiche, die den Kabinettsaal in der alten Staatskanzlei zierten, sind dafür nur ein Beispiel . Die "Komposition II" - einer dieser großen Teppiche - wird ebenfalls in der Ausstellung hängen.

Wir sind sehr stolz darauf, in unserem Haus einen umfassenden Einblick in das Werk dieses bekannten rheinischen Malers, Zeichners und Graphikers geben zu können, dessen hohe Anerkennung durch seine Berufung als Professor an die Düsseldorfer Kunstakademie, durch Dokumentateilnahme und Einladung zur Biennale nach Venedig belegt ist.

Die künstlerischen Spuren Joseph Faßbenders finden sich noch heute in vielen öffentlichen Orten in Köln, Bonn und Düsseldorf und seine Bilder in vielen - insbesondere rheinischen - Museen.

Maria Engels, M.A., Kuratorin


Eröffnungsrede zur Ausstellung Joseph Faßbender "Verwandlungen"

Meine sehr geehrten Damen und Herren, liebe Frau Piert-Borgers, lieber Herr Borgers,

ganz herzlich willkommen in unserem der nordrhein-westfälischen Kunst gewidmeten Haus in den ehrwürdigen Mauern der ehemaligen Reichsabtei Aachen-Kornelimünster. Ich darf Sie nicht nur als Leiterin des Hauses begrüßen, sondern auch im Namen der Kulturabteilung des Ministeriums für Städtebau und Wohnen, Kultur und Sport, das sehr stolz darauf ist, einem der großen Maler unseres Landes sozusagen im eigenen "Museum" eine umfassende Ausstellung widmen zu können.

Wie vielleicht einige von Ihnen wissen, veranstalten wir schon seit einer Reihe von Jahren in loser Folge Ausstellungen für die nordrhein-westfälischen Künstler, die nach dem Krieg Aufbauarbeit für die heute so reiche Kunstszene des Landes geleistet haben und in ihrer Entwicklung vom damaligen Kultusministerium unterstützt und gefördert worden sind.

Eine große, unvergessene Ausstellung haben wir 1997 Hann Trier gewidmet, der mich während der damaligen Vorbereitungsarbeiten mehrfach darauf hingewiesen hat, wie wichtig es für unser Haus sei, ein Ausstellungsprojekt für das Werk seines 1974 verstorbenen Freundes Joseph Faßbender zu realisieren. Er bot mir an, einen Kontakt zur Nichte des Malers herzustellen, die den Nachlass des Künstlers betreue. Leider ist es zu Lebzeiten von Hann Trier nicht mehr dazu gekommen, dennoch bin ich sicher, diese Ausstellung für seinen Freund und Malerkollegen hätte ihn sehr gefreut.

Ein zweiter Anstoß für unser Projekt war die Information von Herrn Staatssekretär a.D. Rombach auf die seinerzeit für den Sitzungssaal der Staatskanzlei gefertigten beiden großen Wandteppiche - Sie sehen einen davon hier an der Wand in ganz neuen Zusammenhängen - , die schon eine ganze Weile nicht mehr ihrem Zweck dienten und dann auf Grund unserer Recherchen und Nachfragen in die Obhut unseres Hauses gegeben wurden.

Schließlich lernte ich dann auf Vermittlung der ehemaligen Meisterschülerin Fassbenders Gabriele Grosse die Nichte des Malers Barbara Piert-Borgers und Ihren Mann Walter Borgers kennen und nachdem dann das Rheinische Landesmuseum Bonn, das schon länger eine Faßbender-Ausstellung plante, für eine Kooperation gewonnen werden konnte, wurde konkret über eine Realisierung nachgedacht.

Unsere Ausstellung ist in der präsentierten Form fast komplett der Sammlung von Barbara Piert-Borgers und Walter Borgers und dem in Ihrem Besitz befindlichen und betreuten Nachlass entnommen. Die beiden leben heute noch im letzten Atelier des Malers in der Schnurgasse in Köln, wo sie im gleichen Haus auch den Nachlass bewahren. Ich bin Herrn Borgers für seine engagierte, kenntnisreiche und unermüdliche Hilfe und beiden für die vertrauensvolle Zusammenarbeit außerordentlich dankbar. Auch Herrn Hans-Werner Faßbender aus Siegburg und Herrn Schwarzer aus Düsseldorf und dem rheinischen Landesmuseum danke ich für die großzügige Bereitschaft, uns ihre Faßbender-Werke für die Ausstellung leihweise zur Verfügung zu stellen.

Kaum einem anderen Künstler ist von Seiten der nordrhein-westfälischen Landesregierung so nachhaltige Förderung und Anerkennung zuteil geworden wie Joseph Faßbender. Drei seiner Gemälde befinden sich im Besitz unseres Hauses, der aus dem durch die Künstlerförderung zusammengetragen Ankauffundus besteht. Den Auftrag zum Entwurf der beiden großen Wandteppiche für den Sitzungssaal der damaligen Staatskanzlei erhielt der Künstler in der ersten Hälfte der 60er Jahre, der Auftrag war mit immerhin 40000.- DM dotiert. 1958 war Fassbender nach Lehraufträgen in Hamburg und Krefeld als Professor an die Düsseldorfer Kunstakademie berufen worden, 1960 hatte er den Großen Kunstpreis des Landes erhalten. 1961 war in der Reihe der vom Kultusministerium herausgegebenen Reihe von Monograhien zur nordrhein-westfälischen Kunst der Band 22 erschienen, der dem Werk Faßbenders gewidmet ist.

Ende der 50er ,Anfang der 60er Jahre hatte der 1903 geborene Maler und Graphiker demnach mit seinem Werk den Durchbruch geschafft, er erhielt zahlreiche öffentliche Aufträge, die sein Werk auch einer breiteren Öffentlichkeit bekannt machten. Zeit seines Lebens hat er sich auch im angewandten Bereich der Kunst betätigt, z. T. als Broterwerb in schweren Zeiten, sicher aber auch aus künstlerischer Überzeugung. Häufig ist ihm dabei schon vor dem Krieg Hann Trier zur Seite gestanden.

Eine erste Anerkennung seiner Arbeit erfuhr Faßbender schon 1929 mit der Verleihung des Villa-Romana-Preises des Deutschen Künstlerbundes, was ihm - allerdings unter großen wirtschaftlichen Schwierigkeiten - ein Jahr Aufenthalt in Florenz und Italien ermöglichte, das er vor allem zum Studium der Renaissancekünstler nutzte. Eines der Gemälde, für den er den Preis erhielt - gleichzeitig eines der wenigen erhaltenen Frühwerke des Malers, der sein gesamtes bis 1945 entstandenes Werk in den Wirren des Krieges im Atelier in der Seyengasse in Köln verloren hat - sehen Sie, meine Damen und Herren, in unserem Foyer, die "roten Anker" von 1928. Wir haben diesem Frühwerk das letzte vollendete Ölgemälde Fassbenders "Salibra" - befreie Dich von 1973 gegenüber gestellt.

Den wirtschaftlich schlechten Zeiten der 30er Jahre versuchte der Künstler mit Aufträgen im Bereich der Gebrauchsgraphik zu begegnen. 1936 wurden seine für die Hamburger Ausstellung des Künstlerbundes bestimmten Arbeiten von den Nazis beschlagnahmt.

Nach Kriegsdienst und englischer Gefangenschaft siedelte sich Faßbender 1946 in Bornheim bei Bonn an, wo seine Frau Anna bereits seit 1944 lebte. In Bornheim entstand 1948 das "Puppenbild", das erste Gemälde Faßbenders, das im Sinne der Künstlerförderung vom eben gegründeten Kultusministerium erworben wurde. Sie finden das Gemälde im Treppenhausvorraum. Das Motiv des Bildes, in dem zwei besonders gestaltete Glasflaschen aus dem Besitz Faßbenders, die sich bis heute im Nachlass erhalten haben, als Figurinen verfremdet dargestellt sind, findet sich ein weiteres Mal in einem Bild aus dieser Zeit, das Sie in einem unserer Kabinetträume sehen können. Fassbender hat bestimmte Motive und Vorstellungen häufig mehrfach verwendet, bzw. immer wieder aufgegriffen.

1947 kommt es zur Gründung der sogenannten "Donnerstagsgesellschaft" auf Schloss Alfter in der Nähe von Bornheim, das sich im Besitz des Fürsten Salm Reifferscheidt befand. Faßbender gehörte mit den Malern Hann Trier und Hubert Berke, mit Hermann Schnitzler, dem späteren Direktor des Schnütgenmuseums, dem Juristen Wilhejm Weber und dem damaligen Direktor des Kölner Kunstvereins Toni Feldkirchen zum aktiven Kern der Gruppe, die sich in verschiedensten Bereichen eine Wiederbelebung des kulturellen Geschehens nach dem Desaster der Nazidiktatur zum Ziel gesetzt hatte. Sie war eine der vielen Keimzellen künstlerischen Schaffens im Rheinland und in Nordrhein-Westfalen nach dem Krieg wie beispielsweise auch die "Gruppe 53" in Düsseldorf oder der "junge westen" in Recklinghausen. Zwischen den drei Malern Faßbender, Trier und Berke bestand in dieser Zeit eine enge Verbindung und Freundschaft, Trier lebte mit seiner Familie inzwischen auch in Bornheim, Hubert Berke in Alfter.
Wir haben versucht, dieser engen Beziehung in unserer Ausstellung mit einem kleinen Einblick Rechnung zu tragen im Vorraum unseres Treppenhauses.

Im weiteren Rundgang durch die Ausstellung folgen dann hinter unserer Garderobe zwei Räume, die die Werke der Bornheimer Zeit beherbergen, Papierarbeiten meist auf der Basis von Monotypien, aber auch Federzeichnungen mit Aquarell und Gouache bearbeitet.

Für die Konzentration auf Papierarbeiten in der frühe Nachkriegszeit gab es zunächst sicher auch ganz praktische Gründe im Hinblick auf Materialknappheit und materielle Not. Andererseits liegt die Basis der Faßbenderschen Ausdrucksweise in der graphischen Linie, wie sie in der Monotypie und in der Federzeichnung betont wird.

Die sich häufig kleinteilig, verknäult, die Fläche parzellierend und immer wieder neue Wendungen nehmende labyrinthische Linie erzählt die unterschiedlichen Geschichten dieser Bilder, die der fabulierenden Phantasie des Künstlers entspringen. Die nur partiell und flächig aufgetragene Farbe schafft eine netzartige Verspannung und Verwebung der Bildfläche, die die Zweidimensionalität des Bildes hervorhebt.

Die frühen Monotypien zeigen deutliche gegenständliche Reminiszenzen, die sich nicht nur an Titeln wie "Knechte", "Widderfrau", "der Gefangene", "Puppenbild", "Spectaculum Pliticum" und "bretonische Legende" wiederspiegeln, sondern auch in figuralen Elementen und erkennbaren Requisiten nach zu vollziehen sind.

In den sechziger Jahren verstärkt sich die Tendenz zur Abstraktion. Großformatige Ölbilder sind in dieser Zeit entstanden, in denen die flächige Vernetzung von Farbe und reicher linearer Binnenzeichnung das gesamte Bildgeviert erfasst. Das große Tryptichon "per i Venditori della Luna" von 1967 ist dafür sicher eines der imposantesten in unserer Ausstellung zu erlebende Beispiel. Nicht nur der geheimnisvolle Titel, der die Verkäufer des Mondes - auch das Motiv des Mondes taucht häufig im Werk des Künstlers auf - und damit möglicherweise die schöpferische Phantasie als entscheidende Aufgabe des Künstlers beschwört, sondern auch das Bild selbst transportiert trotz weitgehender formaler Abstraktion eine inhaltliche Botschaft. Faßbenders Malerei ist, wie Werner Schmalenbach bereits 1961 formuliert hat, "eine inhaltsträchtige Kunst", selbst bei den großen Gemälden "ohne Titel" bleibt diese Inhaltsträchtigkeit immer mehr oder weniger spürbar.

Jedenfalls zeugen die Bilder Faßbenders in ihrem parzellierten und dadurch auch konstruktiven formalen Aufbau mit den starken graphischen Binnenstrukturen - denn auch in seinen großen Ölgemälden geht der Maler immer von der Linie aus - von einer hohen künstlerischen Eigenständigkeit und Unabhängigkeit von den Strömungen seiner Zeit wie z.B. dem gegen die formale Bindung der Farbe gerichteten Informel. Das nicht enden wollende, sich immer wieder in Richtung, Dichte, Strichstärke und Schraffur wandelnde und verändernde Liniengeflecht ist stets Träger der verschlüsselten Botschaft der Bilder.

Neben seiner Tätigkeit als freier Maler hat Faßbender auch in seinem späteren Schaffen immer wieder im Bereich der Gebrauchsgraphik gearbeitet. viele Plakate entworfen und zahllose Buchumschläge und Kataloge gestaltet. Eine kleine Auswahl davon können Sie, meine Damen und Herren, im letzten unserer Kabinetträume ganz rechts vom Eingang betrachten. Er hat damit einen vielleicht noch nicht ausreichend gewürdigten Beitrag zur Typographie und Gebrauchsgraphik der 50er und 60er Jahre im Rheinland geleistet, der vielen von uns noch deutlich im Bewusstsein ist und der sicher eine eigene Ausstellung verdient hätte.

Meine sehr geehrten Damen und Herren, dieses gemeinsame Ausstellungsprojekt des Rheinischen Landesmuseums Bonn und der Landeseinrichtung "Kunst aus Nordrhein-Westfalen" für Joseph Faßbender, das eigentlich schon 2003 zu seinem 100 Geburtstag hätte stattfinden sollen, gilt einer der markantesten Künstlerpersönlichkeiten der 40er, 50er und 60er Jahre des 20. Jahrhunderts in unserem Land.

Auch heute noch ist Faßbender mit vielen Arbeiten im öffentlichen Raum präsent. Viele seiner Schüler an der Düsseldorfer Kunstakademie - einige sind heute hier anwesend - haben ihren Weg als Künstler gemacht. Dennoch droht das unverwechselbare und eigenständige Werk des Malers in Vergessenheit zu geraten und scheint nur noch für einen bestimmten Kreis von Interessierten von Bedeutung zu sein. Insofern möchten wir mit der Präsentation "Verwandlungen", die einen guten Überblick über das Oeuvre Faßbenders vermitteln kann, einen der herausragenden nordrhein-westfälischen Künstler ehren, der längst seinen Platz in der Kunstgeschichte des Landes eingenommen hat und sein Werk wieder in das Bewusstsein einer breiteren Öffentlichkeit rücken.

Zum Schluss muss ich noch Dank sagen an meine unermüdlichen Mitarbeiter, an vorderster Stelle meiner einzigen Vollzeit beschäftigen Kollegin Birgit Kamps, die auch diesmal wieder bis zur Erschöpfung gearbeitet hat, um dieses Projekt realisieren zu helfen, aber auch ganz besonders meinen beiden erfindungsreichen Aufbauhelfern aller unserer Ausstellungen der letzten Zeit, aber auch Helfer in allen Nöten unseres Zwei-Frau-Betriebs, Guido Langner und Frank Posthoff, die unter Aufbietung ihres gesamten handwerklichen Erfindungsreichtums und aller zur Verfügung stehenden körperlichen Kräfte die Hängung des großen Wandteppichs bewerkstelligt haben, was - wie Sie sich vielleicht denken können - eine einmalige Aktion darstellte, die in die Analen unseres Hauses eingehen wird.

Schließlich danke ich allen meinen ehrenamtlichen Helfern vor und hinter den Kulissen und Ihnen, meine Damen und Herren, für Ihre Aufmerksamkeit. Viel Freude und gute Einsichten in die wunderbaren Bilder des großen rheinischen Malers Joseph Faßbender.

Text und Vortrag: Maria Engels, Kuratorin von Kunst aus NRW


Link zum Newsletter Newsletter zwei-2005 mit weiteren Informationen zur Ausstellung (PDF, etwa 210KB)



Link zum Seitenanfang ... zurück zum Seitenanfang

Letzte Aktualisierung am 31. Juli 2006