Wappen des Landes NRW, Schriftzug: Ministerium für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport des Landes Nordrhein-Westfalen

Künstlerförderung des Landes Nordrhein-Westfalen
- Kontinuität seit 1945

Kurz nach der Währungsreform vom Juni 1948 begann das eben gegründete Kultusministerium des noch ganz jungen Landes Nordrhein-Westfalen besonders begabte Künstler, die in seinem Zuständig-keitsbereich aktiv waren, durch den Ankauf von Werken zu fördern, was in dieser frühen Zeit auch so etwas wie eine existenzsichernde Maßnahme für die so unterstützten Maler und Bildhauer gewesen sein dürfte.

In den Aufzeichnungen des zuständigen Ministerialrats Dr. Mathias T. Engels, von dem die Idee zu diesen Förderankäufen stammte, lautete der erste Eintrag vom 17. Dezember 1948 auf den Namen "Karl Schwesig", es folgen aufgelistet der Werktitel, die Technikangabe zum Kunstwerk und der Preis. Dem ersten eingetragenen Namen "Karl Schwesig" sind der Titel des Werkes "Schildkröte" und die Angabe der Technik "Aquarell" und der Preis 200.- DM zugeordnet. Über die Höhe der Preise von Bildern und Skulpturen damals noch junger, heute vielfach bekannter und renommierter Küstler geben auch die nächsten Eintragungen Auskunft. Hann Trier bekam demnach für sein Ölbild "Amboss" 600.- DM, Bruno Goller für sein Gemälde "Altar im Gefangenenlager" bereits 735.- DM.

Bei den ersten Ankaufsaktionen des Landes 1948/49 wurden unter anderem Werke von Emil Schumacher ( "Muscheln", 1946, Aquarell, 225.- DM ), Helmut Georg ("Tankstelle", 1946, Öl, 340.- DM ), Oswald Petersen ("Stilleben mit Maler", 1932, Öl, 1800.- DM ) und von Karl Otto Götz ("Variation mit einer Faktur", 1948, Öl, 450.- DM ) und von Deutzmann ("Mondlandschaft", 1948, Tempera, 600.- DM) erworben. Julius Bretz erhielt im Februar 1949 als erster für sein Ölbild "weißer Mohn" mehr als 1000.- DM. Es handelte sich dabei um den 45. Ankauf. Insgesamt erwarb das Ministerium im ersten Jahr der Förderankäufe 204 Kunstwerke. Eine große Auswahl davon wurde in das Gästehaus der Landesregierung gebracht, wo das Kabinett die Neuerwerbungen anzuschauen wünschte.

Der intendierte Zweck war erreicht, einigen Künstlern durch Ankäufe geholfen worden. Wohin aber mit den Kunstwerken, die das Land erworben hatte, und wohin mit denen, die in den nächsten Jahren noch dazu kommen sollten? Inzwischen hat das Land nach über 50 Jahren rund 3300 Werke im Sinne der Künstlerförderung erworben. Der Gedanke an eine eigenständige museale Sammlung mit einem festen Standort kam damals nicht auf, die anerkennende Unterstützung qualifizierter künstlerischer Arbeit war das einzige Ziel der Ankaufsmassnahmen. Das Kabinett beschloss Ende der 40er Jahre, die Kunstwerke den einzelnen Ministerien und Landesbehörden zur repräsentativen Ausstattung ihrer Diensträume zur Verfügung zu stellen.

Dass es sich bei dieser Art der Künstlerförderung nicht um eine soziale Unterstützungsaktion handeln sollte, wurde von Anfang an immer wieder ausdrücklich betont. Es galt und gilt generell, besondere Begabungen zu unterstützen und jüngeren Künstlern staatliche Anerkennung und Förderung zukommen zu lassen. In den Anfangszeiten erwies es sich allerdings als ebenso wichtig, älteren Künstlern wie Erich Heckel oder Karl Schmidt Rottluff, die unter dem Naziregime gelitten hatten oder in ihrer künstlerischen Entwicklung etwa durch Mal- und Ausstellungsverbote gehemmt worden waren, wieder auf die Beine zu helfen. Einige von ihnen hatten auch schon in der Isolation neue, eigene Wege gesucht, so z. B. Ernst Wilhelm Nay, der dann in den 50er Jahren sehr bald an der Spitze der Kunstszene zu finden war.

Eine besondere Initiative der Künstlerförderung stellte von 1971 bis 1976 auch die Herausgabe der sogenannten "Schuldrucke" dar. Insgesamt sechzig Künstler erhielten im Verlauf dieser fünf Jahre den Auftrag, gegen Honorar ein grafisches Blatt herzustellen. In einer Auflage von je 250 Stück erschienen so im Jahr zwölf Originalgrafiken. Mit aufwendig gestalteten Prospekten wurden die weiterführenden Schulen jährlich auf diese Initiative hingewiesen und konnten je drei Grafiken im Jahr kostenlos zu Anschauungszwecken für den Unterricht bestellen. Diese Zweckbestimmung führte zu der Namensgebung für diese Aktion. Die 60 Graphiken, die zum größten Teil von heute anerkannten und berühmten Künstlern geschaffen wurden, können kunsthistorischen Rang für die erste Hälfte der 70er Jahre beanspruchen.

Mit der Zeit stellte sich in Bezug auf die erworbenen Kunstwerke eine Frage, die anfangs nicht bedacht worden war: die Frage nach der Wertsteigerung mancher Gemälde, Skulpturen und Objekte. Ein gutes Beispiel dafür ist sicher das Bild "Orakel" von Konrad Klapheck entstanden 1959, das 1962 für 1800.- DM erworben wurde. Sein Wert hat sich heute sicher um mehr als das fünfzigfache erhöht. Ähnliche, z. T. sicher noch eklatantere Wertsteigerungen dürften z. B. die Werke von Gerhard Richter, Sigmar Polke, Günter Uecker, Norbert Kricke, Gotthard Graubner, Emil Schumacher, Karl Otto Götz, Ernst Wilhelm Nay, Gerhard Hoehme erfahren haben. Die Gruppe von rund dreihundert Spitzenwerken renommierter Künstler stellt heute einen geschätzten Wert von 25 Millionen Euro dar, dem die Gesamtankaufssumme von rund 4 Millionen Euro für alle bisher angekauften 3300 Kunstwerke gegenübersteht.

Die berechtigte Gegenfrage nach dem Prozentsatz der Werke, deren Schöpfer nicht reüssierten, die trotz hoffnungsvoller Ansätze keine internationale Anerkennung fanden, ist schwer zu beantworten; denn neben den sicher zahlreichen Werken, deren materieller Wert heute kaum noch zu benennen ist, steht eine mindestens ebenso hohe Anzahl von Arbeiten, die sehr wohl Wertsteigerungen erfahren haben, ohne dass diese in der Höhe mit den eben genannten zu vergleichen wäre. Für die Kunstgeschichte des Landes sind diese Werke in jedem Fall von grundlegender Bedeutung.

Zuständig für die Künstlerförderung des Landes war zunächst das 1947 gegründete Kultusministerium, seit kurzem hat die Kulturabteilung des Ministeriums für Städtebau und Wohnen, Kultur und Sport diese Aufgaben übernommen. Gefördert werden Künstlerinnen und Künstler, die in Nordrhein-Westfalen arbeiten, heute durch den Ankauf von Werken, durch Beihilfen und Arbeitsstipendien, durch fachlichen Beistand zur Realisierung von Projekten und Ausstellungen sowie die Verleihung von Kunstpreisen, die die Künstler auf ihrem Weg ermutigen sollen.

So wird der "Förderpreis für junge Künstlerinnen und Künstler" seit 1957 pro Jahr u.a. an zwei Nachwuchskünstler aus dem Bereich der bildenden Kunst vergeben. Der jeweils mit 5.000.- Euro ausgestattete Preis soll jungen Künstlerinnen und Künstlern die Möglichkeit bieten sich weiterzubilden, besondere künstlerische Projekte durchzuführen und ihr Werk der Öffentlichkeit bekannt zu machen.

Darüber hinaus würdigt der Minister für Städtebau und Wohnen, Kultur und Sport gemeinsam mit der Ministerin für Frauen, Jugend, Familie und Gesundheit mit dem "Künstlerinnenpreis des Landes Nordrhein-Westfalen" jährlich die Werke einer herausragenden Künstlerin. Der Preis wird jedes Jahr für eine andere Kunstsparte ausgeschrieben und teilt sich in einen Hauptpreis (10.000.- Euro) und einen Förderpreis (5.000.- Euro).

Arbeitsstipendien vergibt das Ministerium jährlich für Schloss Ringenberg im Kreis Wesel, für das Künstlerdorf Schöppingen im westlichen Münsterland und für das Drei-Giebel-Haus in Duisburg. Um den besonderen Arbeitsbedingungen von Künstlerinnen mit Kindern Rechnung zu tragen, werden alle drei Jahre Stipendien für bildende Künstlerinnen mit Kindern angeboten. Die zuletzt genannten Stipendien sind nicht an einen Wohnortwechsel gebunden, sondern können auch dann in Anspruch genommen werden, wenn die Künstlerinnen weiter zu Hause arbeiten wollen. Stipendien und Arbeitsaufenthalte im Ausland werden den Künstlern vom Land Nordrhein-Westfalen in der Villa Massimo in Rom, in der Casa Baldi in Olevano Romano, der Cité des Arts, Paris, und in Ekeley bei Oslo ermöglicht.

Während die Preise und Stipendien durch eine Jury vergeben werden, ist die Kulturabteilung des Ministeriums für Städtebau und Wohnen, Kultur und Sport für die Förderankäufe zuständig. "Märkte" für die Ankäufe sind die "Große Kunstausstellung NRW Düsseldorf", die jeweils am Jahresende stattfindet, und die Ateliers der Künstler in Nordrhein-Westfalen. Fachleute wie Museumsleiter und Hochschuldozenten geben Hinweise auf förderungswürdige Künstlerinnen und Künstler.

Im Laufe von über fünf Jahrzehnten entstand durch die Kontinuität der Förderankäufe des Landes eine beachtliche Kunstsammlung, die in einmaliger Weise einen Einblick in die Kunstgeschichte unseres Landes bietet, sie hat dabei in Teilen durchaus auch überregionale und internationale Bedeutung. Anfang der 70er Jahre kam der Wunsch auf, das immer umfangreichere Ergebnis der Künstlerförderung einer breiteren Öffentlichkeit im Land zu zeigen. Eine charakteristische Auswahl von Werken wurde damals unter dem Titel "Aspekte der gegenwärtigen Kunst aus Nordrhein-Westfalen" zu einer Wanderausstellung zusammengestellt und auf die Reise durch 15 Museen des Landes geschickt. Die Gefährdung der Kunstwerke war wie bei allen Wanderausstellungen hoch, Beschädigungen unvermeidlich. So wurde nach einem festen Standort für die Kunstwerke gesucht; denn es war der Wille der Verantwortlichen, diese Kunst öffentlich zu zeigen.

Schließlich wurde die ehemalige Reichsabtei Aachen-Kornelimünster als möglicher Ort für eine Dauerpräsentation und als Zentraldepot für die Ankaufsbestände entdeckt. Seit 1976 beherbergt diese Landesliegenschaft jetzt die ständige Ausstellung "Kunst aus Nordrhein-Westfalen-Förderankäufe seit 1945". Die umfassende Sanierung der Abteigebäude, die hier seit 1993 mit Landesmitteln in Millionenhöhe durchgeführt wird, hat für diese Einrichtung ganz neue Möglichkeiten eröffnet.

So finden hier seit 1996 regelmäßig bis zu zehn thematisch bezogene Wechselausstellungen im Jahr statt, beispielsweise wird den jeweiligen Förderpreisträgern für bildende Kunst Ausstellungsmöglichkeit geboten. Aber auch heute renommierten Malern, die zu den Künstlern der ersten Stunde gehören und früh gefördert wurden, wie z. B. Karl Otto Götz, Hann Trier, Winfred Gaul, Karl Fred Dahmen ,Peter Brüning und Gerhard Hoehme, sind Einzelausstellungen gewidmet worden, wie auch solchen Künstlern, die in ihren Anfängen durch Ankäufe unterstützt wurden und heute an den Kunstakademien des Landes als Lehrer tätig sind. Auch jüngere, erst seit einigen Jahren im Ankauffundus vertretene Künstlerinnen und Künstler können hier ihr Werk vorstellen. Die zeitgenössische Kunst steht an der historischen Stätte stets in neuem, reizvollen und spannungsreichen Kontrast zum spätbarocken Ambiente. So hat sich die Einrichtung in Aachen-Kornelimünster inzwischen einen Platz unter den Ausstellungshäusern in Nordrhein-Westfalen erobert.

Letzte Aktualisierung am 1. Mai 2008